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Tiefgründige Rezitation bei Fackelschein – Zwölftonmusik bei Kerzenlicht

(ag) (ra) Man glaubt Franz Mazura seine 83 Jahre nicht. Mit leiser gewordener Stimme, aber ungebrochener Gestaltungskraft, rezitierte der Kammersänger am Donnerstag aus Thomas Manns „Doktor Faustus“. Die Sterne funkelten, doch der Mond fehlte. So sorgten Fackeln für das rechte Ambiente auf der mitternachtskalten Schlossterrasse.

Thomas Mann kann über eine Din-A4-Seite hinweg beschreiben, wie eine Tube Zahnpasta ausläuft, ohne sich in der Wortwahl je zu vergreifen. So war der Anspruch, den der gelesene Text an die Hörer stellte, enorm. Das Publikum war überschaubar und wurde in Friedemann Eichhorns Begrüßungsrede ausdrücklich gelobt, wohne es doch dem anspruchsvollsten Programm in den sechs Jahren seiner Intendanz bei.
Gruselig ging es zu in Serenus Zeitbloms fiktiver Biografie des Tonsetzers Adrian Leverkühn, der seine Seele dem Teufel verschreibt und als kranker Mann die Zwölf-Ton-Technik erfindet, die ihm das Erschaffen musikalischer Werke von höchster Dichte und Konzentration ermöglicht. In seinen Selbstkommentaren nennt Thomas Mann die Reihentechnik übrigens „Teufelswerk“ und befürchtet, deren eigentlicher Schöpfer, Arnold Schönberg, würde ihm die Freundschaft kündigen.
Schönberg als geistiges Oberhaupt der „Zweiten Wiener Schule“, zu der auch seine Schüler Alban Berg und Anton Webern zählen, hatte indes andere Sorgen. Wie Hanns Eisler, übrigens auch ein Schönberg-Schüler, berichtet, hatte jener zur Erscheinungszeit des „Doktor Faustus“ einen beinahe tödlichen Herzanfall, konnte aber reanimiert werden. „Als erstes Stück, als er wieder aufstand, schrieb er ein Streichtrio, eine der schönsten Kompositionen, die er je geschrieben hat.“ In der nur mit Kerzen illuminierten Schlosskapelle erklang es gleich nach Mazuras Lesung. Man sah Friedemann Eichhorn (Violine), Christoph Fassbender (Viola) und Markus Fassbender (Cello) an, dass hier eine Art von Musik zelebriert wurde, bei der es keine Nebenstimmen, keine Zufälligkeiten, ja keine Verschnaufpausen gibt. Trotz höchster technischer Konzentration war alles purer Ausdruck. Nicht die „Luft von anderen Planeten“ war es, die Schönberg diesmal verspürt zu haben schien, eher der geheimnisvolle Hauch des Todes und man musste Thomas Mann Recht geben: Die unvermeidliche Anerkennung menschlicher Hilflosigkeit bedeutet nicht die Leugnung der Liebe. So erlebte man eine wahrlich faustische Atmosphäre, oder, wie es Adrian Leverkühn ausdrückte, „eine Nacht, in der es vor Blitzen nicht dunkel wird“.

Infos im Internet:
www.schlossfestspiele-zwingenberg.de


19.08.07

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