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Die Finki-Fans kennen kein schlechtes Wetter


(Fotos: Thomas Wilken)

(tom) Für die echten Finki-Fans gibt es kein schlechtes Wetter. Da werden wie am absolut verregneten Wochenende beim Krautrock-Festival im Odenwald Regenponchos in den wildesten Farben ausgepackt. Den Besucherzahlen tut der Dauerregen sowieso praktisch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ohne den Herbsteinbruch im Hochsommer wären die Organisatoren wahrscheinlich auf einen neuen Rekord zugesteuert.

„Trotz des miesen Wetters lief es super“, freute sich auf Seiten des mitveranstaltenden FC Finkenbachtal Armin Löffler. Denn im Vorverkauf gingen ein paar hundert Karten mehr als im vergangenen Jahr über die Bühne. Angler-Gummistiefel ersetzen die normalen Schuhe, eine Filzkappe kollidiert modisch mit einer hellbraun-getönten Dieter-Thomas-Kuhn-Sonnenbrille – oder es geht gleich barfuß aufs Gelände, um den zehn Bands zu lauschen, die Mani Neumeier von „Guru Guru“ wieder zusammengetrommelt hat.

Aber auch sonst ein ähnliches Bild wie bei vorigen Festivals: Freitagabend füllte sich das Gelände zusehends, trudelten gegen 20 Uhr immer mehr Besucher ein. Allerdings ist dann immer noch ein Durchkommen zur Bühne, das am Samstag gegen Abend zunehmend schwieriger wird. Denn wenn traditionsgemäß gegen 21 Uhr Neumeier mit seinen Guru Guru auftritt, schließen sich die Reihen.
Die alten Herren rocken die Bühne wie eh und je. Kein Anzeichen von Müdigkeit bei den über 70-Jährigen, die im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bandbestehen mit einer rauschenden Party beim Finki 2018 feiern wollen. Vielleicht dann ohne die vielen Holzhackschnitzel auf der Wiese, um die schlimmsten Schlammlöcher zuzudecken. Und ohne ein Meer von Regenschirmen gegen das immer wiederkehrende Nass von oben.

Für Mastermind Mani Neumeier (Bild rechts oben) ist die Durchführung des „Guru-Feschts“, wie das Finki seit Beginn bei den Einheimischen heißt, immer wieder „eine große Ehre“. Denn als erstes Musikfestival im Odenwald vor 41 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Auch wenn die Sonne nicht vom Himmel knallt, merkt der Musiker immer, „dass das Feeling stimmt“. Aus den Rückmeldungen von Besuchern hat er erfahren, wie wichtig denen die große Fete in ihrem Kalender ist.

Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. Das Gelände und die Atmosphäre sind für ihn außergewöhnlich. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands. Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er.

Um immer wieder neue Acts zu finden, nutzt Mani Neumeier auch YouTube. Wie etwa bei „Jack Dupon“, dem Auftakt-Act vom Freitag (Bild links). Die Franzosen mit außergewöhnlicher Musik und exaltiertem Aussehen „habe ich mir angehört und gebucht“. „Samsara Blues Experiment“ ist eine weitere Gruppe, die es auf diese Weise aufs Finki schaffte. Aber natürlich gehören Veteranen wie die britische Rocklegende Arthur Brown dazu wie das Salz in der Suppe. „So lange es diese Bands noch gibt, kommen sie auch immer wieder“, schmunzelt Neumeier.
Auf diese Weise will er den Fans etwas bieten, das es anderswo kaum gibt. Denn viele Festivals sind für ihn „ohne Gesicht und Griff für die Musik“. Schon vor 50 Jahren, meint Neumeier, „haben wir mit Guru Guru freche Musik gemacht“. Um sich dieses Mal total auszuleben, hat er sich mit Harald Grosskopf (Ashra Tempel) und Eberhard Kranemann (Ex-Kraftwerk) zwei altgediente Recken geholt, „um moderne Sachen zu spielen“.
Die Bandbreite beim Finki ist sowieso phänomenal. „Jobarteh Kunda“ etwa sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. „DeWolff“ ist eine niederländische Band aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Die „Kunens Män“ aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Ob er das Finki in einem kurzen Satz charakterisieren kann? Da kommt Mani Neumeier angesichts der vielen Jahre und Eindrücke doch etwas ins Überlegen. „Legendäres Festival mit Herz“, meint er dann nach einer halben Minute sinnierend.

„Das Finki ist einmalig“, betonte der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler. „Wohin kommen so viele Besucher, wenn es zwei Tage in Strömen gießt“, meinte er. Die Zuschauerzahl sei angesichts dieser Wetterbedingungen „optimal“ gewesen. Der Samstag war wie immer „sehr gut besucht“. Löffler notierte „nur positive Rückmeldungen“ der Fans aus Deutschland, Schweiz, Österreich oder den Benelux-Staaten, die teilweise seit Jahrzehnten das Finki besuchen.
Die „absolut friedliche, große Feier“ dauerte bis nach 6 Uhr am Sonntagmorgen. „Als ich um 6.30 Uhr nach Hause ging, standen immer noch ein paar am Bierstand“, lachte Löffler. „Dass so etwas mitten im Ort stattfindet“, sorgt bei den Gästen immer wieder für Begeisterung, beobachtete er. Dazu kommt die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Das ganze Dorf macht mit“, bedankte er sich bei den Anwohnern.

Heute ist weitere Arbeit angesagt: Durch den nassen Untergrund sind viele Camper mit ihren Fahrzeugen am Finkenbach buchstäblich abgesoffen. Mit Traktoren oder anderem schweren Gerät der Bauern geht es nun daran, die Autos aus dem Sumpf zu ziehen und wieder auf die Straße zu schleppen. Aber das schockt die wenigsten. „Das war vor zwei Jahren auch schon so“, hieß die lakonische Antwort einer Betroffenen.

13.08.17

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