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Fünf Vorträge machten Krankheitsbilder und Therapien Laien verständlich


V.l. Dr. Bernhard Nitsche, Dr. Jan Voegele, Dr. Thorsten Löffler, Dr. Martin Stark, Dr. Basem Meraikib, Dr. Daniel Herzenstiel und Dr. Haitham Abu Sharar. (Foto: Callies/GRN)

(hr) Knapp 200 Interessierte kamen zum Patienteninformationstag der GRN-Klinik Eberbach am Dienstag, 8. Oktober, in die Stadthalle.

„Wir sind für unsere Patienten da und erstklassig aufgestellt. Aber ohne ein motiviertes Team aus Chefärzten, Oberärzten, Fachärzten und Pflegepersonal wäre das alles nicht möglich“, sagte Dr. Bernhard Nitsche, der Ärztliche Direktor und Chefarzt Innere Medizin/Gastroenterologie, bei seiner Begrüßung.
Rund 6.400 Patienten mit Knochenbrüchen, Herzinfarkt, Krebs, Magenblutungen sowie anderen akuten oder lebensbedrohlichen Verletzungen und Erkrankungen werden jährlich in der Klinik stationär versorgt, nochmal so viele werden in der Notfallambulanz behandelt.

Der Patienteninformationstag, den es seit 2013 gibt, zeigte wieder eine große Bandbreite bei der Gesundheitsversorgung. Das Motto diesmal: „Es gibt hunderte von Krankheiten, aber nur eine Gesundheit – und wir haben Ihre Gesundheit im Blick.“ Auch diesmal hatte der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Stefan Dallinger, die Schirmherrschaft übernommen. Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert bedankte sich „für die Infos aus erster Hand.“ Und weiter: „Ihre Veranstaltung kommt jedes Jahr gut an. Sie machen Krankheitsbilder für den medizinischen Laien verständlich.“

Insgesamt konnten die Besucher auf fünf Vorträge gespannt sein. Den Anfang machte Dr. med. Basem Meraikib, Oberarzt Gastroenterologie, mit dem Thema „Künstliche Ernährung – Grenzen der modernen Medizin“. Die Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung richte sich nach bestimmten Leitlinien. Der sofortige Beginn sei nach sieben Tagen ohne Nahrungszufuhr beziehungsweise nach 14 Tagen ohne bedarfsdeckende Zufuhr angezeigt. Auch die Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht riss der Oberarzt kurz an. Mit einer schriftlichen Patientenverfügung können Patienten vorsorglich festlegen, dass bestimmte medizinische Behandlungen durchzuführen oder zu unterlassen seien. Liege keine Patientenverfügung vor oder seien die Festlegungen in einer Patientenverfügung zu unkonkret oder allgemein, entscheide der Vertreter gemeinsam mit dem Arzt auf Grundlage des mutmaßlichen Patientenwillens über die anstehende Behandlung. Die Vorsorgevollmacht greife in Notsituationen, wenn eine Person nicht mehr in der Lage sei, als Entscheidungsträger zu wirken.

Ein Resümee über „Vier Jahre EndoProthetikZentrum (EPZ) Eberbach“ für künstliche Knie- und Hüftgelenke, zog Dr. med. Martin Stark, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit März 2015 sei man jedes Jahr zertifiziert worden und erfülle die höchsten Anforderungen der Qualitätsinitiative „endoCert“. Alleine 2018 gab es in Eberbach mehr als 300 Gelenkersatz-Operationen. Eine hohe Patientenzufriedenheit von 96 Prozent mache deutlich, dass immer der Patient im Mittelpunkt stehe. Unterstützt werden die Operateure von modernster Software: Die Operationen werden computergestützt geplant. „Schmerzkatheter sind durch den Einsatz moderner, von den Patienten selbst bedienten Applikatoren für Schmerzmittel nicht mehr notwendig“, so Dr. Stark. „Patienten sind dadurch schneller wieder fit. Das ist eines unserer wichtigsten Ziele, denn Mobilität ist Leben.“ Dr. Stark hatte mit seinem Team in den letzten Jahren zudem neue, besser anpassbare Prothesenmodelle eingeführt.

„Moderne Narbenhernien-Chirurgie – auf den richtigen GRIP kommt es an“, war das Thema von Dr. med. Thorsten Löffler, Stellvertretender Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie. Etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung erleiden einmal in ihrem Leben einen Bauchwandbruch, bei dem sich Eingeweide durch Lücken in der Bauchwand drücken können. Ursachen solcher „Hernien“ sind zum Beispiel Veranlagung oder Bindegewebsschwäche. Alleine in Deutschland gebe es bis zu 250.000 Operationen im Jahr. Männer beziehungsweise Jungen seien neunmal häufiger betroffen als Frauen und Mädchen, so der Spezialist. Bei den Narbenhernien entsteht der Bruch nach Operationen im Bereich der Narbe: „Das schränkt die Lebensqualität trotz gut überstandener Operation stark ein“, so Dr. Löffler, der in seinem Vortrag etablierte Operationsverfahren und das in Eberbach angewandte GRIP-Konzept erläuterte. Dabei geht es um die Auswahl des passenden Netzes zur Verstärkung der Bauchwand. Um den Hernien nach der Operation Stabilität zu geben und die Heilung zu fördern – immerhin müssen Hebe- oder Stoßbelastungen, z.B. beim Husten, „gehalten“ werden – benötige die Hernie Haftreibung, eben „GRIP“. Je größer die Lücke in der Bauchwand ist, umso höher ist der erforderliche GRIP – also auch die Größe, Beschaffenheit und Fixierung des Netzes.

„Was tun, wenn die Prostata wächst?“ Antworten darauf gab Dr. med. Jan Voegele, Chefarzt Urologie. Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist eine etwa vier Zentimeter große walnussförmige Drüse. Sie sitzt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt dort ringförmig die Harnröhre. Ihr Gewicht nimmt im Laufe des Lebens zu und kann auf über 200 Gramm anwachsen. Zusammen mit den Hoden gehört die Prostata zu den Fortpflanzungsorganen des Mannes. Die Hauptfunktion der Prostata besteht darin, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren, welche die Samenzellen (Spermien) transportiert. Dr. Voegele: „Beschwerden wie ein abgeschwächter Harnstrahl, Nachträufeln, stärkerer Harndrang, Inkontinenz und nächtliches Wasserlassen können erste Symptome eines Benignen (gutartigen) Prostata Syndroms sein.“ Nach der umfassenden Diagnostik könne eine konservative (medikamentöse) oder operative (instrumentelle) Behandlung folgen. Regelmäßige Kontrollen, Nachsorge beim Urologen und Krebsvorsorge seien in der Folge unerlässlich. „Prostata-Probleme sind mehr als eine Altmänner-Krankheit, die man eben hinnehmen muss.“

„Die Schrittmacher-Ambulanz der GRN-Klinik Eberbach ist mittlerweile ein Kompetenzzentrum in Sachen Herzrhythmusstörungen“, befand Dr. med. Daniel Herzenstiel, Oberarzt Kardiologie. In seinem Vortrag „Herz aus dem Takt“ erläuterte er unter anderem die zwei Hauptaufgaben eines Schrittmachers: Stimulation des Herzens bei Bedarf und Wahrnehmung spontaner Rhythmusstörungen. Der implantierbare Kardioverter-Defibrillator (ICD) beende hingegen einen zu schnellen Herzschlag, das gefährliche Kammerflimmern, durch elektrische Überstimulation oder einen elektrischen Schock des Herzens. Auch Alltagsempfehlungen sprach Dr. Herzenstiel aus: So sollten Betroffene mit implantierten Aggregaten ihren entsprechenden Ausweis immer dabeihaben. Intakte Haushaltsgeräte stellen keine Gefahr dar. Das Fahren von Lastwagen oder Autos zur Personenbeförderung ist für ICD-Träger nicht erlaubt. In der GRN-Klinik Eberbach werden jährlich rund 40 Schrittmacher und ICDs implantiert, ferner erfolgen regelmäßig ambulante Aggregatswechsel. Es gibt enge Kooperationen mit dem Herzrhythmuszentrum der Universitätsklinik Heidelberg sowie mit den niedergelassenen Hausärzten.

19.10.19

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